Beiträge zum Tode des Genossen Hans Heinz Holz

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Ein welthistorisches Individuum

13.12.2011, 23:48

Zum Tode des Genossen Hans Heinz Holz

Von Hannes A. Fellner

Was Friedrich Engels über Karl Marx an dessen Grabe sagte, nämlich dass er "einer jener hervorragenden Männer" war, "von denen ein Jahrhundert nur wenige hervorbringt", lässt sich zweifelsohne auch über Hans Heinz Holz sagen.

Im bürgerlichen wie marxistischen Bereich gab es nicht viele, die sich mit Hans Heinz Holz hätten messen können. Er war einer der letzten Universalgelehrten, ein marxistischer Polyhistor, wie die jüngere Geschichte der marxistischen Bewegung leider nur eine Handvoll kennt.

Ein kluger, mitreißender Lehrer

13.12.2011, 22:09

Nachruf Hans Heinz Holz

Von Erich Hahn

Der Philosoph Hans Heinz Holz ist tot. Am 11. Dezember erlag er im Alter von 84 Jahren der langen schweren Krankheit, gegen die er buchstäblich bis zuletzt mit aller ihm verbleibenden Kraft rang - indem er wissenschaftlich arbeitete!

1927 in Frankfurt geboren, wurde er mit 17 Jahren wegen Widerstands gegen den Faschismus von der Gestapo verhaftet. Nach dem Krieg begann er, Philosophie zu studieren. Er arbeitete als Journalist für Presse und Rundfunk. Nach 1956 bei Ernst Bloch in Leipzig erfolgter Promotion und danach aufreibendem Kampf um wissenschaftliche Anerkennung erhielt er 1971 eine Professur in Marburg. Von 1978 bis zu seiner Emeritierung lehrte er an der Universität in Groningen.

 

Zum Tode von Hans Heinz Holz - Lebhafter Begriffslehrer

13.12.2011, 19:41

Ein Lehrer von höchster geistiger Präsenz mit einer hartnäckigen Liebe zum Nichtgegenständlichen: zum Tod des Philosophen Hans Heinz Holz.

Von Dietmar Dath

Sommer 2011, eine Abendgesellschaft bei Ente und Wein unter schöngeistig interessierten Kapitalismusverächterinnen und Staatsfeinden im deutschen Süden. Das Gastmahl ist beendet, im Wohnzimmer wird geraucht, im Nebenraum schaut jemand ein Video, auf dem der Ernst-Bloch-Schüler und ehemalige Professor in Marburg und dem niederländischen Groningen Hans Heinz Holz das Leibnizische System, die konstruktivistische Kunst und die Schönheiten des Tessin lobt. Der Mann auf dem Schirm zieht die ganze Party zu sich, entfacht Gespräche, dominiert in leiblicher Abwesenheit und höchster geistiger Präsenz bald den Rest der Nacht. Niemand hier ist älter als fünfundvierzig, der Lehrer, dem sie lauschen, wurde 1927 in Frankfurt geboren, saß als siebzehnjähriger Antifaschist in Haft, war Journalist bei Zeitung und Radio.

 

Denker des Ganzen

12.12.2011, 20:40

Zum Tod von Hans Heinz Holz: Er entwickelte die philosophischen und politisch-theoretischen Grundlagen für eine erneute Umwälzung der Verhältnisse

Von Andreas Hüllinghorst

Der Heerführer, so schreibt Lenin, »der die Reste einer geschlagenen (…) Armee in das Innere des Landes zurückführt, (…) erfüllt sein Pflicht (…), um Kräfte zu sammeln, um die Armee, die an Zersetzung und Demoralisierung leidet, Atem schöpfen und gesunden zu lassen« (LW 27, S. 149). Diese Aufgabe übernahm nach 1989 auf dem Feld der philosophisch-politischen Praxis im besonderen Maße der am 11. Dezember verstorbene Hans Heinz Holz. 1991 versammelte er mit Domenico Losurdo marxistische Philosophen, um sich über die »Zukunft des Marxismus« zu verständigen; 1 im selben Jahr erschien von ihm »Niederlage und Zukunft des Sozialismus«, 1995 folgte »Kommunisten heute«. Bis zu einem Sturz im Jahr 2006, der ihn seitdem ans Haus band, sprach er auf unzähligen Veranstaltungen und arbeitete am Programm der DKP mit. 2010 und 2011 erschienen im Aurora-Verlag seine konzeptionellen Überlegungen zur »Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie«. Bis zum Schluß orientierte er die von ihm mitherausgegebene philosophische Halbjahresschrift Topos auf anstehende philosophische Probleme im Klassenkampf und verfaßte wichtige Arbeiten zur Geschichte der Dialektik und zu deren logischer Struktur, nicht zu zählen die vielen Artikel, die er u.a. auch für die junge Welt schrieb. Kurz: Sein ganzes Bestreben lag nach 1989 darin, das revolutionäre Bewußtsein der kommunistischen Partei durch Einsichten in den Gesamtzusammenhang der (kapitalistischen) Welt zu wahren und zu entwickeln sowie die Partei auf ihre Hauptaufgabe zu orientieren: Revolutionieren der kapitalistischen in sozialistische Verhältnisse.

 

Hans Heinz Holz ist gestorben

12.12.2011, 20:00

Der über die Grenzen unseres Landes hinaus als Politiker und Philosoph berühmte Professor Dr. Hans Heinz Holz, Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), ist nach schwerer Krankheit wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag gestorben. Zum Tode von Hans Heinz Holz, der Autor und Mitherausgeber der Marxistischen Blätter war, hat Robert Steigerwald, auch im Namen von Verlag, Redaktion und Herausgeberkreis der MB, nachfolgenden Nachruf verfasst.

Wir sind uns dessen sicher, sein Werk wird weiter wirken. Und allen Genossinnen und Genossen, aber auch manchem, der uns gar nicht so nahe stand, werden sein Temperament, seine Bücher und Vorträge – die alles andere als professorenhaft waren – im Gedächtnis bleiben. Sie werden sich dankbar oder – die uns ferner standen und stehen – wenigstens achtungsvoll seiner erinnern. Wir aber, seine Genossinnen und Genossen, haben von ihm gelernt und sind in der Pflicht, das Gelernte weiter zu vermitteln.

 

Philosoph Hans Heinz Holz gestorben

12.12.2011, 15:51

Der Philosoph Hans Heinz Holz ist tot. Nach Angaben seiner Witwe Silvia Markun verstarb er am Sonntag in seinem Haus in Sant'Abbondio in der Schweiz. Das berichtet die in Berlin erscheinende Tageszeitung "junge Welt" (Dienstagausgabe).

Holz wurde am 26. Februar 1927 in Frankfurt am Main geboren, kam als 17jähriger wegen Widerstandes gegen das Naziregime in Gestapohaft und begann 1945 ein Philosophiestudium. Bereits in dieser Zeit arbeitete er als Autor für Zeitungen und Zeitschriften. Nach seiner Promotion bei Ernst Bloch war er Redakteur bei der Zeitung "Deutsche Woche", seit 1960 freier Journalist in der Schweiz. 1971 erhielt er in Marburg eine Professur für Philosophie, von 1978 bis zu seiner Emeritierung in Groningen/Niederlande.

Holz galt als ein enzyklopädischer Gelehrter, der zur Geschichte und Systematik der Dialektik, zur Theorie der Kunst und zu Künstlern der Gegenwart, zu Problemen der Gesellschaftswissenschaften und der Politik eine Vielzahl von Büchern und Aufsätzen vorgelegt hat. Zuletzt erschienen von ihm die drei Sammelbände "Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie" im Berliner Aurora-Verlag.

Holz war Ehrenpräsident der Internationalen Gesellschaft für dialektische Philosophie, gewähltes Mitglied der Leibniz-Sozietät und der World Academy of Letters. Seit 1994 war er Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei, an deren Parteiprogramm er maßgeblich mitarbeitete.

 

»Wir waren voll von Politik«

12.12.2011, 15:50

Ein Gespräch mit Hans Heinz Holz. Über seine Entscheidung, 1945 ein Philosophiestudium aufzunehmen, philosophische Problemkonstanten und die Notwendigkeit einer Wissenschaft des Ganzen der Welt

Interview: Johannes Oehme und Arnold Schölzel

Hans Heinz Holz (geb. 1927) ist emeritierter Professor für Philosophie der Universität Groningen. Er arbeitete lange Jahre als Journalist und philosophischer Publizist, lehrte von 1971 bis 1978 in Marburg und danach in Groningen. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift Topos. Soeben erschien von ihm: Dialektik. Problemgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Fünf Bände. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, 2932 Seiten, 299 Euro

 

Einige Selbstverständlichkeiten in Erinnerung gerufen

12.12.2011, 15:45

...aus: "Niederlage und Zukunft des Sozialismus" von Hans Heinz Holz

Englische Version des gesamten Buches Niederlage und Zukunft des Sozialismus: The Downfall and Future of Socialism

Es gibt einige unabdingbare Voraussetzungen, unter denen ein politisch Denkender und Handelnder sich als Kommunist bezeichnen kann. Es ist nicht ehrenrührig (wenn auch aus Gründen der hier vertretenen Theorie falsch), anders zu denken, und es gibt andere ehren- und anerkennenswerte Handlungsmotive; auch bei Kommunisten mischt sich die wissenschaftliche Einsicht in die allgemeinen Gesetze der Geschichte mit der gefühlsmäßigen Empörung über das Unrecht der Ausbeutung, der Unterdrückung, der Entmenschlichung und mit der Angst vor dem drohenden Untergang der Menschheit oder mindestens ihrer Zivilisation. Weil Kommunisten religiöse, moralische, psychologische Beweggründe des Kampfes gegen die Übelstände der Welt respektieren und manche von ihnen teilen, können sie ohne Anspruch auf Dominanz politische Bündnisse zur Verfolgung gleicher Ziele eingehen, und sie dürfen erwarten, daß in solchen Bündnissen auch ihre Ansichten und Beweggründe respektiert werden. Was sie als Kommunisten jedoch auszeichnet, ist dies, daß sie ein systematisch ausgearbeitetes rationales Erklärungsmuster für die Welt haben, die sie verändern wollen, daß in diesem Erklärungsmuster die Orientierung für ihr politisches Handeln eingeschlossen ist und daß dieses Erklärungsmuster auf keine außerweltlichen und unerkennbaren Gründe für den Weltlauf zurückgreifen muß, um in sich schlüssig zu sein.

 

Vom Begriff zur Tat

12.12.2011, 15:40

Vorabdruck. Friedrich Engels und die Entwicklung der wissenschaftlichen Weltanschauung des Marxismus

Von Hans Heinz Holz

»Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben.« (W.I. Lenin) Der Kommunist und Philosoph Hans Heinz Holz hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder und so gründlich wie kein anderer daran gearbeitet, die materialistische Dialektik als Fundament einer solchen weltverändernden Theorie auszuformulieren, auf daß sie handlungsleitend werden kann.

»... das Proletariat kann sich nicht aufheben ohne die Verwirklichung der Philosophie« – Karl Marx (streikende kommunistische Arbeiter in Athen, Griechenland, 15. Mai 2010) Foto: Reuters

In diesen Tagen erscheint nun im Berliner Aurora Verlag der dritte (und letzte) Band seiner »Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie« unter dem Titel »Integrale der Praxis – Aurora und die Eule der Minerva«. jW veröffentlicht eine gekürzte Fassung des Einleitungskapitels »Friedrich Engels – das Konzept einer wissenschaftlichen Weltanschauung« vorab.

Zu Band 2: Erklären, nicht verharmlosen

Zu Band 1: Hans Heinz Holz macht das Erbe der klassischen deutschen Philosophie fruchtbar

 

Hans Heinz Holz: Revolution neuen Typs

12.12.2011, 15:30

Prélude

Am 1. August 1914 begann der Erste Weltkrieg. Im September nimmt Lenin das Studium von Hegels Wissenschaft der Logik auf, das er intensiv bis zum Dezember fortsetzt und aus der er 150 Druckseiten exzerpiert und kommentiert. Parallel dazu liest er Feuerbachs Leibniz-Monographie. 1915 schließen sich in rascher Folge Hegels Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie, Hegels Vorlesungen zur Philosophie der Geschichte, weitere Hegel-Studien und die Metaphysik des Aristoteles an.[1] Ein immenses Lektüre-Programm - und das in den ersten Monaten des aufregenden weltpolitischen Umbruchs, der aktuell durch den Krieg ausgelöst wurde. Die Parteien der Arbeiterklasse in der II. Internationale hatten gegenüber der neuen Phase des Kapitalismus - die Lenin dann als imperialistische analysieren wird[2] - versagt und den Klassenkampf mit der Unterordnung unter die Interessen der nationalen Bourgeoisien preisgegeben. Arbeiter schossen an den Fronten auf Arbeiter. Die Ziele des Sozialismus schienen in weite Ferne gerückt, die Sozialisten hatten sich selbst eine vernichtende Niederlage bereitet, die ihre politische Identität zerstörte. In der von Kautsky einst formulierten Alternative Sozialismus oder Barbarei[3] (die später von Rosa Luxemburg wieder aufgenommen wurde) hatten die sozialdemokratischen Parteien sich auf die Seite der Barbarei geschlagen.

Und Lenin - las Philosophie! Ja schlimmer noch: Er studierte den »preußischen Staatsphilosophen« Hegel, den Erzvater des Idealismus. Er beschäftigte sich mit Leibniz und Aristoteles, als gäbe es in diesem Augenblick der Katastrophe nichts Wichtigeres.

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Philosophische Bewältigung der Wirklichkeit

12.12.2011, 15:26

Im Durchgang durch Hegels Philosophie wird die Blickrichtung gewonnen, in der das Wesentliche in den Verhältnissen zu ihrer revolutionären Veränderung erfaßt wird

Von Hans Heinz Holz

Unter den klassischen deutschen Philosophen war Georg Wilhelm Friedrich Hegel (27.8.1770-14.11.1831) schon immer der umstrittenste. Blieb Gottfried Wilhelm Leibniz stets halb verdrängt, strahlte Immanuel Kants Ruhm eh und je gleichmäßig hell, so gibt es in der Geschichte des von Hegel ausgehenden Einflusses periodisches Schwanken. Auf Zeiten absoluter Höhe, in denen er als Vollender der Philosophie überhaupt galt, folgten Jahrzehnte der Mißachtung, in denen man Hegel "wie einen toten Hund" behandelte.

 

Auf der Epochenschwelle

12.12.2011, 15:23

Zum 125. Geburtstag von Ernst Bloch (Teil I). Philosophische Probleme der Übergangszeit von der bürgerlichen zur sozialistischen Gesellschaft und Kultur

VonHans Heinz Holz

Es läßt sich leicht sagen, was Kommunisten von Ernst Bloch (8.7.1885–4.8.1977) trennt, und etwas komplizierter, warum er dennoch zu ihnen und gerade zu ihrer Zukunft gehört. Der Abstand seines Denkstils und seiner Inhalte zum dialektischen und historischen Materialismus ist deutlich. Seine Zukunftserwartung hat einen religionsphilosphischen Duktus; der subjektive Faktor im historischen Fortschritt wird einseitig betont; die Geschichte der Philosophie wird als Ideengeschichte behandelt, und in diesen Ideen, die mehr enthalten als nur in ihrem Ausdruck erscheint, verbirgt sich ein geheimer Platonismus. Soweit, zusammengefaßt, die begründbaren Einwände.

Teil II: Die unabgeschlossene Welt

 

Hans Heinz Holz: »Parteienkampf in der Philosophie«

12.12.2011, 15:20

Marxismus. Vor 100 Jahren erschien Lenins Streitschrift »Materialismus und Empiriokritizismus« (Teil I)

Auf geschichtliche Niederlagen folgen ideologische Verwirrungen. Die Sieger besetzen nicht nur die Positionen politischer Macht, sondern infiltrieren auch das Bewußtsein der Geschlagenen, um ihre Herrschaft dauerhafter zu machen. Soll der Kampf weitergeführt werden, so müssen Resignation und Anpassung bekämpft werden, das heißt, die Zweifel an der Richtigkeit der eigenen revolutionären Ziele müssen ausgeräumt, die theoretische Grundlage des eigenen Handelns muß konsequent ausgearbeitet und gegen Kompromisse und Verbiegungen verteidigt werden. Gerade nach einer Niederlage bekommt die ideologische Auseinandersetzung um die richtigen weltanschaulichen Erkenntnisse eine zentrale Funktion für die Reorganisation der Kräfte. Es geht nicht nur darum, wieder taktische Operationsfähigkeit zu gewinnen, sondern noch mehr darum, die epochale geschichtliche Bewegung zu bestimmen, in der die revolutionäre Partei ihren Ort hat.

Teil II: Stoßrichtung Kant

 

Hans Heinz Holz: Kampf um Kultur

12.12.2011, 15:19

Antonio Gramscis Parteitheorie (Teil I):

Im national geführten »Stellungskrieg« wird der Herrschaftsapparat schrittweise auf ökonomischem und zivilgesellschaftlichem Terrain erobert

Für die Wiedergewinnung einer strategischen Konzeption der Linken ist die Aneignung der Arbeiten Antonio Gramscis (23.1.1898�27.4.1937) von zentraler Bedeutung. Er gehört zu den Politikern und Denkern der III. Internationale, die in der Konsequenz der Oktoberrevolution die Grundlagen der klassischen Lehren des Marxismus so ausgebaut haben, daß sie langfristige Perspektiven des Klassenkampfs im Stadium des Imperialismus aufzeigen. Den Ort, den Gramsci im zeitgeschichtlichen Kontext einnimmt, hat Luciano Canfora in seinem brillianten zweiteiligen Essay (jW vom 26. und 27./28.April) ausgeleuchtet. Welches sind nun die theoretischen Positionen, von denen wir heute für die politische Praxis lernen können?

Antonio Gramscis Parteitheorie (Teil II):

Organisation eines sozialistischen Internationalismus unter nationalen Bedingungen

 

Von Leibniz über Hegel zu Marx

12.12.2011, 15:00

Am heutigen 295. Todestag von Gottfried Wilhelm Leibniz und 180. Todestag von Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist die Startseite von kominform.at ganz im Zeichen dieser beiden großen Denker gestaltet, deren Werk als Erbe aufhebend erschlossen, sich dem Marxismus als fruchtbare Quelle und Bestandteil erweist. Die Redaktion

Von Hans Heinz Holz

In den siebziger Jahren, ich glaube, es war 1876, hat Marx einen Brief an Engels geschrieben, in dem er berichtet, Kugelmann habe ihm beim Abriß des Leibniz-Hauses (das damals offenbar gerade abgerissen wurde) zwei Stücke Tapete aus dem Leibnizschen Arbeitszimmer geschickt, die er dort aus dem Schutt aufgelesen hatte. Marx macht sich dann noch lustig über die dummen Hannoveraner: Wenn sie damit nach London gegangen waren, hatten sie mit diesen Antiquitäten viel Geld machen können, in Hannover sind sie auf den Müll geworfen worden. Kugelmann hat also zwei Stück Tapete mit mythologischen Inhalten, das eine Neptun, das andere Amor und Psyche darstellend, aus diesem Müll herausgelesen und Marx geschickt. Marx hat sie sich eingerahmt und in seinem Arbeitszimmer aufgehangt, schreibt er an Engels und beendet diese kurze Erzahlung mit den Worten »You know my admiration for Leibniz« - Du kennst meine Bewunderung für Leibniz.

Kommunistische Initiative Österreich: Zum Tod von Hans Heinz Holz

14.12.2011, 09:00

Schweren Herzens müssen wir uns in das Aufgebot jener Menschen einreihen, die ehrlich um Hans Heinz Holz trauern und seinen Hinterbliebenen, allen voran seiner Frau Silvia, ihr aufrichtiges Beileid bekunden. Der persönliche Verlust für Verwandte und langjährige Freunde, deren es auch in unseren Reihen so einige gibt, ist immer der tiefste.

Angesichts dieser persönlichen und emotionalen Betroffenheit hat die Trauer über den Verlust eines der wichtigsten marxistischen und leninistischen Philosophen der vergangenen Jahrzehnte, eines der bedeutendsten politischen Denker, Autoren und Handelnden der kommunistischen Bewegung unwillkürlich in den Hintergrund zu treten, doch zweifelsfrei wiegt auch dieser äußerst schwer.

Vieles wurde in den vergangenen Tagen schon geschrieben über die Verdienste von Hans Heinz Holz. Es erscheint uns daher nicht angetan, uns mit umfangreichen Wiederholungen aus den zahlreichen Nachrufen und Würdigungen aufzudrängen. Jeder Kommunist und jede Kommunistin weiß, was wir an Hans Heinz Holz hatten.

Große Worte sind es, von Vermächtnissen zu sprechen. Auch das wollen wir uns in diesen Stunden nicht anmaßen. Und doch gilt: Im Sinne unserer gemeinsamen Sache - und das ist die des Sozialismus - sei ein jeder Nachruf auch ein Aufruf, sei jede Würdigung auch ein Auftrag. Die beharrliche Arbeit für diese Sache ist daher eine ehrenvolle und vielleicht sogar die beste Würdigung großer Genossen.

Ein besonderer "Auftrag" von Hans Heinz Holz basierte und basiert auf seiner Einsicht, dass sich der Kampf um die kommunistische Identität in unserer Bewegung, um die Bedeutung des Klassenkampfes sowie um den Marxismus UND Leninismus seit den Niederlagen von 1989/90 nicht nur trotzdem, sondern erst recht und von Neuem lohnt. Mehr noch: Dass er notwendig ist.

Diesen Kampf hatte Hans Heinz Holz seit 1994 selbst unmittelbar auszufechten und er hatte es dabei nicht immer leicht in der DKP, wo diese Auseinandersetzung auch noch nicht entschieden ist. Auch die österreichischen marxistisch-leninistischen Kräfte, die damals noch in der KPÖ organisiert waren, unterstützte Genosse Holz durch entsprechenden Meinungs- und Gedankenaustausch sowie dadurch, dass er als Vortragender an diversen Veranstaltungen in Wien teilnahm, so z.B. am Walter Hollitscher-Symposium 2001 oder im Februar 2004, als er über die heutigen Aufgaben der marxistischen Philosophie referierte und mit uns die Fortschritte der Programmdiskussionen in KPÖ und DKP diskutierte. Letztmals durften wir Hans Heinz Holz im Jahr 2005 bei uns begrüßen, als er einer der Vortragenden auf einem KSV-Seminar war. Als wir in den Jahren 2004 und 2005 in Österreich zur Kenntnis nehmen mussten, dass der Kampf um die kommunistische Identität und den Marxismus-Leninismus in der KPÖ zu unseren Ungunsten entschieden war, und an die Sammlung der kommunistischen Kräfte außerhalb der KPÖ gingen, hat sich Genosse Holz - das soll nicht verschwiegen werden - mit taktischer Kritik an uns gewandt. Dass sich seither gezeigt hat, dass wir richtig gehandelt haben, kann man in gewisser Weise bedauerlich finden. Die Notwendigkeit ist nicht immer etwas Angenehmes.

So ist es unsere Aufgabe, nicht zu verzagen und nicht zu verharren, sondern ebenso aufrecht wie geradlinig vorwärts zu schreiten. Das umfangreiche Werk von Hans Heinz Holz wird uns und kommenden Generationen von Kommunistinnen und Kommunisten als Quelle der Bildung, der Inspiration und der Ausrichtung und Schärfung der eigenen Weltanschauung dienen. Ehre seinem Andenken!

Otto Bruckner, Tibor Zenker,

für den Vorstand der Kommunistischen Initiative Österreich,

Wien, 13. Dezember 2011

Philosoph Hans Heinz Holz gestorben

12.12.2011, 22:08

Der Philosoph Hans Heinz Holz ist tot. Nach Angaben seiner Witwe Silvia Markun verstarb er am Sonntag in seinem Haus in Sant'Abbondio in der Schweiz. Das berichtet die in Berlin erscheinende Tageszeitung "junge Welt" (Dienstagausgabe).

Holz wurde am 26. Februar 1927 in Frankfurt am Main geboren, kam als 17jähriger wegen Widerstandes gegen das Naziregime in Gestapohaft und begann 1945 ein Philosophiestudium. Bereits in dieser Zeit arbeitete er als Autor für Zeitungen und Zeitschriften. Nach seiner Promotion bei Ernst Bloch war er Redakteur bei der Zeitung "Deutsche Woche", seit 1960 freier Journalist in der Schweiz. 1971 erhielt er in Marburg eine Professur für Philosophie, von 1978 bis zu seiner Emeritierung in Groningen/Niederlande.

Holz galt als ein enzyklopädischer Gelehrter, der zur Geschichte und Systematik der Dialektik, zur Theorie der Kunst und zu Künstlern der Gegenwart, zu Problemen der Gesellschaftswissenschaften und der Politik eine Vielzahl von Büchern und Aufsätzen vorgelegt hat. Zuletzt erschienen von ihm die drei Sammelbände "Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie" im Berliner Aurora-Verlag.

Holz war Ehrenpräsident der Internationalen Gesellschaft für dialektische Philosophie, gewähltes Mitglied der Leibniz-Sozietät und der World Academy of Letters. Seit 1994 war er Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei, an deren Parteiprogramm er maßgeblich mitarbeitete.

Zusammenfassung: Hans Heinz Holz auf kominform.at:

 

Hans Heinz Holz: »Wir waren voll von Politik«

Hans Heinz Holz: Orientierung in der Vielheit der Erscheinungen

Hans Heinz Holz: Philosophisch-politische Perspektiven des Marxismus heute

Hans Heinz Holz: Zur Programmatik einer dialektisch-materialistischen Ontologie

Hans Heinz Holz: Aufgaben der marxistischen Philosophie heute

Hans Heinz Holz: Einige Selbstverständlichkeiten in Erinnerung gerufen

Hans Heinz Holz: Kommunisten - und andere Linke

Hans Heinz Holz: Die Alternative muß erkämpft werden

Hans Heinz Holz: Klasse - an und für sich: Zur Lage der Arbeitenden heute

Hans Heinz Holz: Zu Leibniz

Hans Heinz Holz: Von Leibniz über Hegel zu Marx

Hans Heinz Holz: Hegel - Philosophische Bewältigung der Wirklichkeit

Hans Heinz Holz: Revolutionäre Dimension

Hans Heinz Holz: Vom Begriff zur Tat

Hans Heinz Holz: Friedrich Engels - Die Strenge des Begriffs

Hans Heinz Holz: Leninismus - die zweite Phase des wissenschaftlichen Sozialismus

Hans Heinz Holz: Leninismus - Kompaß der Revolution

Hans Heinz Holz: »Materialismus und Empiriokritizismus« I - »Parteienkampf in der Philosophie«

Hans Heinz Holz: »Materialismus und Empiriokritizismus« II - Stoßrichtung Kant

Hans Heinz Holz: Revolution neuen Typs

Hans Heinz Holz: Marxismus ohne Lenin?

Hans Heinz Holz: Pseudorevolutionärer Maximalismus

Hans Heinz Holz: Stalin - Verkörperung der Widersprüche

Hans Heinz Holz: Dialektik der Vernunft

Hans Heinz Holz: Erklären, nicht verharmlosen

Hans Heinz Holz: Die Verfassung der Sowjetunion von 1936

Hans Heinz Holz: Die revisionistische Wende

Hans Heinz Holz: Gramsci - Kampf um Kultur

Hans Heinz Holz: Lukács - Ein streitbarer Humanist

Hans Heinz Holz: Bloch I - Auf der Epochenschwelle

Hans Heinz Holz: Bloch II - Die unabgeschlossene Welt

Hans Heinz Holz: Fidel Castro - Der Sieg der Unbeugsamkeit

Hans Heinz Holz: Walter Hollitscher - Vom Wiener Kreis zu Marx

Hans Heinz Holz: Widerstand gegen die Notstandsgesetzgebung: Nicht nur ein Häuflein

Hans Heinz Holz: Das Trinitätsproblem

Hans Heinz Holz: Joseph Ratzinger, der Papst aus Karthago

Hans Heinz Holz: Der Papst und sein Heiliger

Hans Heinz Holz: Tibet - Hans Heinz Holz: Das Ende der Sklaverei

Hans Heinz Holz: Zum 200. Todestag von Heinrich von Kleist

Hans Heinz Holz: Kleist und Klassik

Hans Heinz Holz: Erinnerungen an Peter Hacks - Die Sammlung der Versprengten

Hans Heinz Holz : Das Neue im Alten - das Alte im Neuen

Hans Heinz Holz: Die Nähe ferner Zukunft

Hans Heinz Holz: Fernand Léger - Bedeutungskunst

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