T&P

Theorie und Praxis aus marxistischer Sicht

Herausgeber: Arbeitskreis Sozialismus in Wissenschaft und Politik, Hans Heinz Holz, Dogan Göcmen, Michael Beltz, Achim Bigus, Tina Sanders, Wolfram Triller

  Ausgabe 02/2005

Schwerpunkt: Gewerkschaften

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Hans Heinz Holz

Editorial

 

Im Editorial zum ersten Haft von T&P schrieben wir: „Kollektive Erkenntnisprozesse entstehen nicht von selbst. Sie werden in Gang gesetzt... „ Wir danken allen Leserinnen und Lesern, die diesen Gedanken aufgegriffen haben und uns in mehr als sechzig Zuschriften ihre Kritik, ihre Anregungen und Ermutigungen zukommen ließen. Wir sind nicht in der Lage, sofort alles umzusetzen, was an guten Vorschlägen gekommen ist. Aber wir fassen das überwiegend positive Echo als Ansporn auf, T&P zu einem Ort offener und streitbarer Diskussion unter Marxisten zu machen. 

Mit diesem Heft wenden wir uns den größten Massenorganisationen der Arbeiterklasse zu: »4 Mio. Mitglieder hat der DGB seit 1991 verloren, allein 350 000 im Jahr 2004 (SZ 21.2.05), und das nicht nur wegen der steigenden Arbeitslosigkeit. Die Gewerkschaften wurden von Regierung und Kapital als Blockierer und Betonköpfe dargestellt, die es zu beseitigen gelte. Die Abschaffung der Mitbestimmung wie der Tarifautonomie wird propagiert, um sie zu schwächen. Offen gewerkschaftsfeindliche Propaganda ist an der Tagesordnung, eine „rechte APO“, wie z.B. der „Bürgerkonvent“, organisieren Demonstrationen von Unternehmern. BDI-Präsident Rogowski wünscht sich „ein großes Lagerfeuer, um das Betriebsverfassungsgesetz und die Tarifverträge hineinzuwerfen“ (Stuttgarter Nachrichten 21.10.2003) - d.h. er wünscht sich eine neue Bücherverbrennung, letztlich die Beseitigung der Gewerkschaften! Aber neuerdings hört man aus dieser Ecke auch andere Töne: die Gewerkschaften hätten sich in die richtige Richtung bewegt – wenn auch natürlich noch nicht genug – sie würden endlich einsehen, dass die Arbeitskraft zu teuer, die Lohnnebenkosten zu hoch und der ganze Sozialstaat eben nicht mehr zu halten sei.

„Anpassen oder untergehen“ scheint die neue Strategie des DGB zu sein. Wir wollen heute untersuchen, ob das nicht bedeutet: untergehen oder untergehen, nämlich die Gefährdung der Existenz der Gewerkschaften selbst.« Mit diesen Worten begann Renate Münder ihr Referat über die Kapitulation der Gewerkschaftsführung vor der Kapitaloffensive, aus dem wir auf den folgenden Seiten Auszüge abdrucken. Im Zentrum des Kampfs der Arbeiterklasse steht naturgemäß die unmittelbare Konfrontation mit den Interessen des Kapitals im Betrieb und der allgemeine Gegensatz zum Ausbeutungssystem in der Arbeitswelt. Das ist keine rein ökonomische, sondern eine politische Auseinandersetzung. Mit Recht hat Lenin das in allen seinen Ausführungen zu Gewerkschaftsfragenimmer wieder hervorgehoben. 

Kommunisten können der Krise der Gewerkschaften, ihrer Anpassung an die sog. »Sachzwänge« kapitalistischer Ökonomie nicht gleichgültig gegenüberstehen. Die Gewerkschaften müssen als Kampforganisation der Arbeiterklasse erhalten bleiben und gestärkt werden, und Kommunisten müssen ihre »Tätigkeit im Sinne der Annäherung an die Partei, im Sinne der Entwicklung des sozialistischen Bewusstseins, des Verständnisses für die revolutionären Aufgaben des Proletariats entfalten«(Lenin, Werke 13,162). Für die politische Aufklärung im Betrieb, wo eine der Hauptfronten des Klassenkampfs verläuft und die Kollegen von ihren eigenen Erfahrungen her angesprochen werden können, müssen Kommunisten durch Kenntnis der Tatsachen und ihrer historisch materialistischen Erklärung aus den gesellschaftliche Zusammenhängen gerüstet sein, um ideologisch und politisch orientierend in die Arbeitskämpfe einzugreifen.


 

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Vorläufige Redaktionsanschrift:

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